Warum ist der Strom so teuer geworden?
- Tim Kuchel

- 8. Juli 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Juli 2025
Ein Blick hinter die Kulissen unseres Strompreises.
Es ist eine einfache Frage, die viele Menschen in Deutschland beschäftigt, beim Abschluss eines neuen Vertrags oder bei der Überlegung, ob sich eine eigene Photovoltaikanlage oder ein Home Energy Management System (HEMS) lohnt: Warum ist Strom eigentlich so teuer geworden?

Seit 2021 sind die Strompreise förmlich explodiert. Was früher mit unter 30 Cent pro Kilowattstunde als normal galt, liegt heute oft jenseits der 40 Cent. Bei Neuverträgen waren 2022 sogar über 70 Cent keine Seltenheit. Die Gründe dafür sind vielfältig, und einfach ist die Antwort leider nicht. Aber genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Preisbestandteile und ihre Entwicklungen.
Was steckt im Strompreis?
Zunächst einmal: Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, und nur ein Teil davon hat direkt mit dem eigentlichen Strom zu tun. Der Preis, den Verbraucher auf ihrer Rechnung sehen, besteht im Wesentlichen aus:
Strombeschaffung und Vertrieb
Netzentgelte
Steuern, Abgaben und Umlagen
Jede dieser drei Kategorien hat in den letzten Jahren deutlich zugelegt, vor allem die erste.
Beschaffungskosten: Der größte Preistreiber
Wer wissen möchte, warum der Strompreis sich mehr als verdoppelt hat, muss bei der Strombeschaffung beginnen. Stromanbieter kaufen ihren Strom meist an der Börse, oft viele Monate im Voraus, teils aber auch kurzfristig. Der Preis, den sie dort zahlen müssen, ist in den letzten Jahren stark gestiegen.
Noch 2018 lag der durchschnittliche Börsenpreis im Sommer bei rund 3 bis 4 Cent pro Kilowattstunde. 2022, zur Hochphase der Energiekrise, waren es über 8 Cent. Das klingt nicht dramatisch? Doch: Für Anbieter ist das eine Verdopplung der Einkaufskosten und die wird natürlich an Kunden weitergegeben.
Hinzu kommen Kosten für Mitarbeiter, Handelsinfrastruktur, IT-Systeme und Sicherheitszuschläge. All das fließt in die Kategorie „Beschaffung und Vertrieb“, die im Strompreis in den letzten Jahren besonders deutlich angestiegen ist.

Warum wurde der Börsenstrom so teuer?
Es ist kein einzelner Auslöser, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen:
Explosion der Gaspreise: Seit 2021 haben sich die Gaspreise vervielfacht. Das liegt unter anderem am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem daraus folgenden Wegfall russischer Gaslieferungen. Deutschland musste in kürzester Zeit andere Quellen erschließen: LNG aus Katar, Norwegen oder den USA. Diese sind teurer.
Merit-Order-Prinzip: Am Strommarkt gilt eine einfache, aber folgenreiche Regel: Die teuerste Stromquelle, die noch benötigt wird, bestimmt den Preis für alle. Selbst wenn Windstrom für 3 Cent verfügbar ist, zählt am Ende der Preis des Gaskraftwerks, das noch benötigt wird und der liegt derzeit bei rund 10 Cent oder mehr. Steigt der Gaspreis, steigt also auch der Strompreis.
CO₂-Zertifikate: Gaskraftwerke zahlen für CO₂-Emissionen. Diese Zertifikate kosten derzeit etwa 2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde zusätzlich und machen den Gasstrom noch teurer.
Reservekraftwerke: Kraftwerke, die nur wenige Tage im Jahr einspringen müssen (z. B. bei Dunkelflaute), erhalten Zahlungen, damit sie betriebsbereit bleiben. Diese Kosten finanzieren wir über Netzentgelte, ein weiterer indirekter Preistreiber.

Steuern und Umlagen: Der zweite Preistreiber
Strom wird nicht nur teuer eingekauft, er wird auch hoch besteuert. Und das gleich mehrfach:
Mehrwertsteuer: 19 % auf alle Preisbestandteile.
Stromsteuer: Seit Jahren konstant bei etwa 2 Cent, nicht viel, aber auch nicht vernachlässigbar.
Konzessionsabgabe: Eine Art Maut für Stromleitungen in Städten und Gemeinden.
Offshore-Umlage: Finanzierung der Anbindung von Windparks auf See.
KWK-Umlage: Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung.
Paragraph-19-NEV-Umlage: Finanzausgleich für unterschiedlich hohe Netzentgelte in verschiedenen Regionen.
Ein besonders anschauliches Beispiel ist die EEG-Umlage. Sie wurde 2022 offiziell abgeschafft, zumindest formal. Tatsächlich findet sie sich heute einfach an anderer Stelle wieder: in der CO₂-Steuer, im Bundeshaushalt oder in den Börsenstrompreisen. Die Kosten existieren weiterhin, sie wurden nur umverteilt.

Netzentgelte: Der stille Preistreiber
Die Nutzung der Stromnetze kostet Geld für Wartung, Ausbau und Betrieb. Diese Kosten werden als Netzentgelte an die Endverbraucher weitergereicht und betragen derzeit rund 10 Cent pro Kilowattstunde, teils mehr.
Besonders interessant: Seit 1. Juli 2025 müssen Netzbetreiber auch dynamische Netzentgelte anbieten. Das heißt: Je nach Tageszeit kostet der Strom unterschiedlich viel. Nachts wenn wenig Strom verbraucht wird kann das Netzentgelt unter 1 Cent sinken. Tagsüber zur Spitzenlast steigt der Strompreis. Die Idee: Verbrauch von der Spitze in günstigere Zeiten verschieben, um Netzausbau zu sparen. Aber auch hier gilt: Es ist kompliziert und stark abhängig vom lokalen Netzbetreiber.
Dynamische Tarife: Die Hoffnung auf Flexibilität
Hier kommt das Thema HEMS wieder ins Spiel. Wer ein Home Energy Management System nutzt, kann den Stromverbrauch gezielt steuern zum Beispiel das Elektroauto nachts laden, wenn Strom und Netzentgelte besonders günstig sind. Oder die Wärmepumpe tagsüber laufen lassen, wenn viel Solarstrom verfügbar ist.
Doch lohnt sich das wirklich? Es kommt darauf an:
Wie viel Flexibilität habe ich im Haushalt?
Welche Geräte sind steuerbar?
Wie gut passt mein Verbrauch zu den günstigen Zeitfenstern?
Wie ist die Preisstruktur meines Netzbetreibers?
Um diese Fragen zu beantworten, stehen wir Ihnen mit Erfahrung zur Seite. Kontaktieren Sie uns und wir beraten Sie unabhängig und individuell: Online Beratung buchen

Was jetzt?
Der Blick auf den Strompreis zeigt: Es gibt nicht den einen Grund, warum Strom so teuer geworden ist. Vielmehr ist es ein Mix aus internationalen Krisen, gestiegenen Rohstoffpreisen, politischen Umlagen, Systemregeln wie der Merit-Order und dem Investitionsbedarf in Infrastruktur.
Das macht es nicht leichter für Verbraucher, aber es macht deutlich: Der Strompreis ist kein Zufallsprodukt.
Fazit: Flexibilität und Weitblick statt Schnellschüsse
Eine echte Lösung kann nur langfristig funktionieren. Kurzfristige politische Ankündigungen, die von heute auf morgen Gesetze ändern, schaffen keine Investitionssicherheit, weder für Verbraucher noch für Anbieter.
Was wir brauchen, ist eine verlässliche Strategie für die nächsten 20 bis 30 Jahre: mehr erneuerbare Energien, mehr Batterien, mehr Flexibilität im Verbrauch, faire Netzentgelte und Transparenz bei Umlagen.
Und wir brauchen auch die Fähigkeit, unser Verhalten ein Stück weit anzupassen. Wer Strom nutzen kann, wenn er günstig ist, spart nicht nur Geld, sondern hilft auch, das Gesamtsystem stabiler und effizienter zu machen.
Der eeeNation-Tipp
Es gibt keine Pauschallösung zum Strom sparen. Jeder Haushalt, jedes Gebäude, jede Region ist anders. Deshalb lohnt sich ein individueller Blick auf den eigenen Verbrauch und Tarif.
Tools wie Home Energy Management Systeme (HEMS) helfen dabei, Strom gezielt dann zu verbrauchen, wenn er günstig ist und langfristig Kosten zu sparen.
Wenn Sie wissen möchten, ob sich ein HEMS in Ihrem Fall lohnt, sprechen Sie uns an. Unsere Ingenieure beraten Sie individuell und helfen Ihnen, Ihre Energieeffizienz zu verbessern.
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Hat mir echt weitergeholfen.
Sehr gut zusammengefasst!
⚡sehr guter kurzer Überblick über ein komplexes Thema